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Konflikt zwischen Arbeit und Familie – Teil 2

Der Einfluss von Arbeitsbedingungen und der Persönlichkeit auf den Konflikt zwischen Arbeit und Familie – Teil 2

Wie bereits im ersten Beitrag zu diesem Thema erwähnt, gibt es bestimmte Persönlichkeitseigenschaften, die den Konflikt zwischen Berufs- und Familienleben wesentlich beeinflussen können.
Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von 4 Persönlichkeitsmerkmalen, die als die zentralen Selbstbewertungen bezeichnet werden. Unter diesen werden grundlegende, unbewusste Schlussfolgerungen verstanden, die Menschen über sich selbst, andere Menschen und die Welt treffen. Sie umfassen die Persönlichkeitseigenschaften Selbstwertgefühl, generalisierte Selbstwirksamkeit, Kontrollüberzeugung und emotionale Stabilität.

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Das Selbstwertgefühl bezeichnet den Wert, den eine Person sich selbst insgesamt zuschreibt bzw. das Urteil, das eine Person über ihre eigene Persönlichkeit als Ganze trifft (positives oder negatives Selbstwertgefühl).

Die generalisierte Selbstwirksamkeit beschreibt die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten bzw. Möglichkeiten einer Person, dass sie die notwendigen Voraussetzungen dafür aufbringen kann, um Ereignisse in ihrem Leben im Allgemeinen kontrollieren zu können (hohe oder niedrige generalisierte Selbstwirksamkeit).

Die Kontrollüberzeugung bezeichnet das Ausmaß, in dem eine Person davon überzeugt ist, dass Ereignisse durch Umweltfaktoren, wie andere Personen bzw. Glück, Zufall oder Schicksal kontrolliert werden (externale Kontrollüberzeugung) oder in dem sie davon überzeugt ist, dass sie Ereignisse mit ihrem eigenen Verhalten kontrollieren kann (internale Kontrollüberzeugung).

Die emotionale Stabilität charakterisiert das Ausmaß, in dem eine Person die emotional negativen  Zustände Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Depression, Befangenheit, Impulsivität und Verletzlichkeit nur schwach bzw. selten erlebt (emotionale Stabilität) oder in dem sie die genannten Zustände stark bzw. häufig wahrnimmt (emotionale Labilität).

Bezüglich eines möglichen Zusammenhangs der zentralen Selbstbewertungen mit dem Arbeits-Familien-Konflikt liegen erst wenige empirische Untersuchungen vor. Die vorhandenen Studien legen jedoch nahe, dass ein positives Selbstwertgefühl, eine hohe generalisierte Selbstwirksamkeit, eine internale Kontrollüberzeugung und emotionale Stabilität in einem negativen Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Arbeits- und Familienleben stehen. Dies deutet darauf hin, dass die vorgestellten Persönlichkeitseigenschaften, ähnlich der im ersten Beitrag dargestellten Ressourcen in der Arbeit, negative Auswirkungen der Arbeit auf das Familienleben abschwächen.

In Bezug auf die beiden Richtungen des Arbeits-Familien-Konflikts (Konflikt von Arbeit zu Familie und von Familie zu Arbeit) und den drei Formen des Konflikts (zeitbasierter, belastungsbasierter und verhaltensbasierter Konflikt) liegen gemischte Ergebnisse bzw. mit einigen der dargestellten Persönlichkeitsmerkmale noch keine Untersuchungen vor.

Aufgrund dieser bisherigen Forschungsergebnisse bzw. -lücken zur Wirkung der zentralen Selbstbewertungen auf den Konflikt zwischen Arbeit und Familie sowie aufgrund der im letzten Beitrag dargestellten Wirkung von Arbeitsbelastungen und -ressourcen auf den Arbeits-Familien-Konflikt, wurden im Rahmen der Diplomarbeit von Claudia Kirschner folgende Forschungsfragen untersucht:

  • Beeinflussen Arbeitsbelastungen, Arbeitsressourcen und Persönlichkeitseigenschaften das Erleben von Arbeits-Familien-Konflikt?
  • Beeinflussen Arbeitsbelastungen und Arbeitsressourcen zusammen das Erleben von Arbeits-Familien-Konflikt (Interaktionseffekte)?
  • Beeinflussen Persönlichkeitseigenschaften und Arbeitsbelastungen bzw. Arbeitsressourcen zusammen das Erleben von Arbeits-Familien-Konflikt (Interaktionseffekte)?

Um diese Fragen zu überprüfen, wurde eine empirische Fragebogenuntersuchung an über 600 unselbständig erwerbstätigen und in einer Partnerschaft im gemeinsamen Haushalt lebenden Personen in Österreich und Deutschland durchgeführt. Hierbei füllten die Personen einmalig einen Fragebogen zu Konflikten zwischen ihrem Arbeits- und ihrem Familienleben, zu der Arbeitsbelastung qualitative und quantitative Überlastung in der Arbeit, zu den Arbeitsressourcen Autonomie in der Arbeit und soziale Unterstützung durch Vorgesetzte sowie zu ihren zentralen Selbstbewertungen aus.

Lesen Sie im nächsten Newsletter Details zu den Ergebnissen der durchgeführten Studie und zu deren Bedeutung für die dargestellten Forschungsfragen sowie für mögliche Präventions- und Interventionsmaßnahmen gegen Konflikte zwischen dem Berufs- und dem Familienleben.

Quelle: "Der Einfluss von Arbeitsbedingungen und zentralen Selbstbewertungen auf das Erleben von Arbeits-Familien-Konflikt" (Diplomarbeit Claudia Kirschner, 2013)