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Entschleunigung: Mut zur Achtsamkeit

Entschleunigung: Mut zur Achtsamkeit

Gehören Sie auch zu den Menschen, die meist im Laufschritt unterwegs sind und sich förmlich selbst überholen? In unserer Gesellschaft ist Tempo gefragt, doch oft ist es effektiver und gesünder, die Dinge langsamer anzugehen und zu erledigen. Wer lernt, Momente bewusst zu erleben und auf seine inneren Regungen zu hören, schützt seine Psyche. Schon wenige achtsame Momente am Tag erhöhen die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit und machen zufriedener im Beruf und Alltag.

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Dem Stress erteilte schon der römische Philosoph Seneca eine Absage: “Hektik weist auf ein krankes Gemüt, Hauptmerkmal eines geordneten Verstandes ist Beharrungsvermögen und die Fähigkeit, mit sich selbst umgehen zu können.” Rund zwei Jahrtausende später braucht es die Atemlosigkeit des Internetzeitalters, um wieder den Mut zur Langsamkeit und vor allem Achtsamkeit zu entdecken.

Achtsam sein bedeutet, innere und äußere Vorgänge mit ungeteilter, entspannter Aufmerksamkeit zu beobachten und „das ganze Bild“ aufnehmen. Dabei basiert Achtsamkeit auf den folgenden vier Voraussetzungen:

    • Über-Bewusstheit: Wir verlieren uns nicht in einer Tätigkeit, sondern sind uns bewusst, dass wir etwas Bestimmtes tun.
    • Nicht abgelenkt sein: Unsere Wahrnehmung wird nicht beeinträchtigt durch Grübeleien, Zukunftssorgen, Gefühle oder andere Störungen.
    • Neutralität: Wir beurteilen oder bewerten nicht das Wahrgenommene, auch wenn uns etwas bereits bekannt vorkommt und wir gerne auf Vorurteile oder Erfahrungen zurückgreifen möchten. Wir registrieren die Geschehnisse, ohne Gedanken oder Gefühle einzuklinken.
    • Perspektivenwechsel: Wir sind uns bewusst, dass unsere Sichtweise falsch, beschränkt oder einengend sein kann, weil Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden können.

moolsWas können wir tun, um Achtsamkeit zu lernen? Ellen Langer meint dazu: „Achtsamkeit lässt sich am besten erreichen, wenn man von vornherein vermeidet, unachtsam zu sein. Um Unachtsamkeit zu vermeiden, müssen wir uns klar machen, dass die Wahrheit jeder Information von ihrem Kontext abhängt. Wenn wir also etwas wahrnehmen, sollte uns bewusst sein, dass es sich nie um eine absolute Tatsache handelt. Um achtsam zu bleiben, müssen wir einen gesunden Respekt vor Unsicherheit kultivieren. Um einer Sache achtsam zu begegnen, sollten wir aktiv und bewusst nach Unterschieden suchen. Das tun wir nicht, sobald wir glauben, ein Ding, einen Ort oder einen Menschen bereits in- und auswendig zu kennen. Die Erwartungen von etwas Neuem dagegen hält uns wachsam und achtsam.“

Achtsamkeit zu üben ist eigentlich ganz leicht. Setzen oder legen Sie sich hin und schließen Sie Ihre Augen. Achten Sie auf Ihren Atem und richten Sie danach Ihre Aufmerksamkeit:

    1. Auf Ihren Körper: Was können Sie von Ihrem Körper spüren? Was meldet Ihnen Ihr Körper? Welche Stellen Ihres Körpers treten Ihnen ins Bewusstsein?
    2. Auf Ihre Gefühle: Nehmen Sie war, in welcher Stimmung Sie gerade sind. Wie fühlen Sie sich gerade? (Nicht die Antwort ist richtig, sondern das Fühlen. Übrigens: „Ich fühle mich gut“ ist eine Bewertung, kein Gefühl.)
    3. Auf Ihre Gedanken: Denken Sie nicht, sondern seien Sie Zeuge Ihrer Gedanken. Beobachten Sie, wie Ihre Gedanken kommen, und beobachten Sie sie einfach und lassen Sie sie wieder gehen.

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Innehalten    

Probieren Sie eine einfache Form der Meditation aus:

Setzen Sie sich mit geradem Rücken hin, Fußsohlen am Boden satt aufstellen, schließen Sie die Augen und beobachten Sie Ihren Atemrhythmus beim Ein- und Ausatmen. Bewegt sich Ihr Bauch? Beim Einatmen wölbt er sich nach außen, beim Ausatmen nach innen?  Versuchen Sie dies zehn Mal, ohne in Gedanken abzuweichen.

Hört sich leicht an. Ist es nicht. Die zehn Mal schafft man kaum, also muss man üben. Und kann dann die zehn Mal beliebig erweitern. Ziel ist es, im Moment zu bleiben. Wenigstens für ein paar Atemzüge ganz im Hier und Jetzt verharren, nicht in der Vergangenheit herumwühlen und nicht hektisch die Zukunft planen oder an Unerledigtes denken.
Nach diesen wenigen Minuten des Innehaltens, recken und strecken Sie sich und genießen Sie  achtsam die Veränderung.

Quellen:
http://www.gluecksarchiv.de/inhalt/achtsamkeit.htm
Bild: By Lotus Head from Johannesburg, Gauteng, South Africa