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Resilienz – Die Fähigkeit, Krisen erfolgreich zu meistern – Teil 1

Wie kommt es, dass manche Menschen besser mit schwierigen Situationen und Krisen umgehen können als andere? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Thema „Resilienz“.  Der Begriff stammt vom lateinischen resilio ab („abprallen“, „zurückspringen“) und bezeichnet in der Physik hochelastische Materialien, die nach Verformungen ihre ursprüngliche Form wieder annehmen. Die Resilienzforschung in den Humanwissenschaften forscht nach jenen Potenzialen, die Menschen dazu befähigen, Niederlagen, Unglück, Stressoren und Schicksalsschläge besser und schneller zu meistern und als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Einfach ausgedrückt: Es geht um die „Steh-auf-Männchen-Kompetenz“.

Die 7 Säulen der Resilienz

Welche Eigenschaften machen eine Person nun resilienter als andere? Psychologen haben 7 Säulen der Resilienz ausgemacht – Indikatoren für eine starke Fähigkeit zur Stress- und Krisenbewältigung. Über je mehr dieser Eigenschaften jemand verfügt, umso resilienter die betreffende Person:

Optimismus:

Ich vertraue darauf, dass es besser wird. Die optimistische Lebenseinstellung ist das wichtigste Merkmal der Resilienz. Eine Grundüberzeugung hinsichtlich positiver Möglichkeiten, die selbst in schwierigen Lebenssituationen stecken, ist eine integrale Voraussetzung für Widerstandsfähigkeit. Optimisten erkennen die Realität an, gehen aber davon aus, dass negative Ereignisse grundsätzlich zeitlich begrenzt sind und auch wieder bessere Zeiten kommen werden. Man wird von resilienten Menschen in schwierigen Situationen nur selten negative Verallgemeinerungen hören, sondern eher hoffnungsvolle Formulierungen wie „Diesmal hatte ich keinen Erfolg, nächstes Mal schon.“

Akzeptanz der Krise und Realismus:

Ich akzeptiere mein Schicksal. Was kann ich aus der Situation machen? Resiliente Menschen akzeptieren eine Krise oder einen Schicksalsschlag und verstehen diese als Herausforderung, das Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen. In Krisenzeiten nehmen sie sich daher Zeit und lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Wenn die Gefühle nach einem schweren Schicksalsschlag wieder abflauen, folgt eine nüchterne Bestandsaufnahme. Resiliente Menschen denken grundsätzlich  langfristig und entwickeln realistische Ziele. Da sie eine längere Perspektive im Kopf haben, stabilisiert sich ihr emotionaler Zustand zumeist rascher wieder.

Handlungskontrolle:

Ich werde aktiv, ich suche nach Lösungen. Resiliente Menschen sind alles andere als impulsiv, sondern vielmehr in der Lage, auf die unterschiedlichsten Lebenssituationen kontrolliert und überlegt zu reagieren. Resiliente Menschen verfügen über gute Fertigkeiten, ihre Emotionen und gedanklichen Muster zu analysieren. Dadurch können sie die eigene Gefühlswelt und ihre Reaktionen so steuern, dass sie hohe Belastungen nicht nur als Stress, sondern auch als Herausforderung empfinden, wodurch sie in der Regel handlungsfähiger als andere bleiben. Sie stellen sich Fragen wie „Welche potenziellen Lösungen gibt es?“, „Wie bekomme ich wieder Kontrolle in die Situation?“ und „Was sind meine Ziele?“. Wo andere klagen „Warum passiert gerade mir das? Womit habe ich dieses Unheil verdient?“, reagieren resiliente Menschen anders: „Ich habe nicht erwartet, dass mir dieses Schicksal passiert. Es liegt nicht in meiner Macht, es ungeschehen zu machen. Vor mir liegt eine schwierige Zeit – was kann ich tun, damit ich diese meistern kann?“

„Die Opferrolle verlassen“:

Ich sitze selbst am Ruder, ich kann Einfluss nehmen. Resiliente Menschen glauben an die eigenen Kompetenzen. Sie werden aktiv statt zu jammern und damit in eine Opferrolle zu verfallen, und sie vertrauen ihren Fähigkeiten, über kurz oder lang Problemlösungen zu finden. Menschen, die in Krisen stecken, sind häufig ohne Hoffnung auf Veränderung und sehen alles grau in grau. Anstatt „Ich kann nicht…“ haben resiliente Menschen Gedanken wie „Ich will es versuchen, ich probiere etwas anders…“. Sie richten ihre Aufmerksamkeit nicht ausschließlich auf andere Personen oder Umstände, sondern vielmehr auf sich selbst.

Selbstverantwortung:

Ich weiß, welche Verantwortung ich habe und welche andere haben. Diese Säule beschreibt die Bereitschaft, die Verantwortung für das eigene Tun und Handeln zu übernehmen. Die beinhaltet, die darauf folgenden Konsequenzen zu tragen und ggf. die Resonanz dafür auszuhalten. Zu Beginn einer Krise sind Schuldgefühle zwar normal, resiliente Menschen entscheiden sich jedoch bald, ihren eigenen Anteil an der Krise realistisch einzuschätzen und die Selbstanklage zu unterlassen. Sie erkennen auch, welche äußeren Umstände zu den Problemen beigetragen haben. Dies gilt als gute Prophylaxe, das eigene Selbstwertgefühl zu erhalten. Ihre Fähigkeit, die Ursachen von Krisen zu identifizieren, zu analysieren und damit zukunftsorientiert umzugehen, ermöglicht ihnen, adäquate Lösungen zu entwickeln.

Netzwerke bilden:

Ich traue mich, um Hilfe zu bitten und sie anzunehmen. Resiliente Menschen kommunizieren gern, sie reden mit anderen über ihre Sorgen. Sie lösen Schwierigkeiten bevorzugt gemeinsam mit anderen Menschen statt im Alleingang und suchen sich dafür passende Partner aus. Das sind Menschen, die sich nicht von Gefühlen verunsichern lassen, die empathisch und unterstützend sind und sie an ihre Ressourcen erinnern. Studien zeigen, dass Personen, die in Netzwerken wie Familie und Freundeskreis eingebunden sind, besser mit Schicksalsschlägen umgehen können.

Zukunftsorientierung:

Ich plane meine Zukunft, ich sorge für mich. Eine durchdachte und möglichst gut ausgestaltete Planung erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass unsere Zukunft weitestgehend plan- und auch beherrschbar bleibt. Resiliente Menschen halten nichts für selbstverständlich, sie rechnen mit den Wechselfällen des Lebens und sind gedanklich damit beschäftigt. Die Frage „Was wäre, wenn…?“ stellen sie sich auch in Zeiten, in denen es keine Veranlassung dazu gibt. Dadurch sind sie gedanklich auf Ereignisse wie Heirat, Geburt, Tod der Eltern, Älterwerden, Berufswechsel, Scheidung etc. gedanklich vorbereitet. Forscher meinen, dass vorausplanendes Krisenmanagement die Resilienz stärkt.

Lässt sich Resilienz trainieren?

Resilienz lässt sich nicht in dem Sinne trainieren, dass ein Experte theoretische Erkenntnisse vermittelt oder bestimme Verhaltensweisen einüben lässt. Die Fähigkeiten, die resilientes Verhalten ausmachen, können sich durchaus von Fall zu Fall unterscheiden: Resilienz ist situationsabhängig. Resilienz lässt sich jedoch entwickeln und fördern. In der Literatur wird eine Reihe von Ansätzen angeführt, mit denen die eigene Resilienz über bereits vorhandene Fähigkeiten hinaus erhöht bzw. angeregt werden kann:

    • Resiliente Kommunikation: „Das, was bei mir okay ist, hat mehr Einfluss als das, was nicht passt.“
    • Fokus auf die Stärken einer Person – und die Frage: „Wie kann ich diese Stärken dazu nutzen, um  Probleme zu überwinden?“
    • Fokus: ein Ziel festlegen und dieses bewusst anpeilen
    • Selbstorganisation: unsicheres Terrain benötigt durchdachte Strategien
    • Eigeninitiative: vorausschauend und aktiv handeln
    • Coaching: wenn sich nichts zu bewegen scheint, professionellen Input holen
    • Geduld: sich zu erholen, benötigt selbst bei den besten Strategien Zeit
    • Beziehungen: sich zu vernetzen und Gleichgesinnte zu suchen
    • Humor: trotz aller Widrigkeiten die Leichtigkeit nicht verlieren
    • Wahrnehmung: Situationen und Menschen korrekt einschätzen
    • Unabhängigkeit: Autonomie einhalten und den passenden Abstand zu negativen Menschen und Situationen einnehmen
    • Optimismus: das Leben als herausfordernd, dynamisch und gefüllt mit Chancen wahrnehmen; eine positive Zukunft erwarten, „es kann nur noch besser werden“
    • Flexibilität: bei Unsicherheiten mehrere Optionen offen halten, Veränderungen annehmen und sich entsprechend anpassen
    • Lernfähigkeit: Lernen als wichtige Fertigkeit verstehen, um das Leben zu meistern
    • Selbstmotivation: Initiative ergreifen und sich selbst anspornen
    • Kompetenz: worin bin ich besonders gut?
    • Selbstwert: das Gefühl, etwas wert zu sein und Herausforderungen meistern zu können
    • Ausdauer: nicht vorzeitig aufgeben, dranbleiben
    • Kreativität: sich künstlerisch ausdrücken
    • Altruismus: anderen helfen

Die Reflexion über vorhandene Ressourcen und Fähigkeiten und der Vergleich dieser mit den Kernfaktoren der Resilienz, lässt Stärken deutlich werden und deckt Defizite, die es auszugleichen gilt, auf. Fragen wie „Welche Krisen habe ich in meinem Leben schon erfolgreich gemeistert?“, „Was hat mir dabei geholfen?“ und „Mit welcher Einstellung gehe ich an kritische Situationen heran?“ helfen, Stärken und Schwächen aufzudecken. Zu einer gut funktionierenden Resilienz gehören zum Beispiel auch Fähigkeiten, alltäglichen Stress zu bewältigen oder Probleme zu lösen.

Das Konzept der Resilienz lässt sich aber nicht nur auf einzelne Personen anwenden, sondern auch auf ganze Organisationen und Unternehmen. Diese Bestrebungen werden begleitet von steigenden Risiken und vermehrten Stressfaktoren im Arbeitsleben.

Lesen Sie in unserem 2. Teil mehr über den Einsatz von Resilienz im Unternehmenskontext!

Wir von AUTONOM TALENT® verwenden das Konzept der Resilienz vorwiegend bei Programmen im Zuge des Stressmanagements sowie bei Veränderungs- und Umstrukturierungsprozessen. Bei Interesse würden wir uns freuen Sie  bei solch einem Projekt begleiten zu dürfen.

Kristina Brantl