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Warum Schlaf für die Leistungsfähigkeit so wichtig ist

Lange wurde der Schlaf als inaktiver Zustand des Menschen betrachtet, als eine Sonderstellung zwischen Leben und Tod. 208

Aristoteles etwa definierte den Schlaf als das Gegenteil vom Wachsein. Im Mittelalter dachte die Naturheilkundlerin Hildegard von Bingen, dass der Mensch deswegen Schlaf brauche, da er aus zwei verschiedenen Teilen bestehe (das Wachsein braucht den Gegenpol Schlaf). Mit der Erfindung des EEG und der damit verbundenen Möglichkeit, die Gehirnaktivitäten zu messen, erkannte man, dass der Schlaf einen eigenen dynamischen Prozess darstellt.

In neueren Studien vermuten Forscher, dass sich der elektrophysiologisch messbare Schlaf gleichzeitig mit der Entwicklung immer komplexerer neuronaler Netzwerke entwickelt hat. Demnach gibt es eine direkte Beziehung zwischen dem Bedarf an Schlaf und der Leistungsfähigkeit des Gehirns, vor allem was die Verarbeitung und Speicherung von Informationen betrifft.

Die Kraftquelle Schlaf

Schlaf ist wichtig für die körperliche, geistige und psychische Erholung, aber auch für Lernen und Gedächtnis. Das merken Sie z.B. wenn Sie über einen längeren Zeitraum zu wenig schlafen. Nach 48 Stunden ohne Schlaf erlischt die Konzentrationsfähigkeit bereits ganz.

Wissenschaftler haben u.a. mehrere Zusammenhänge zwischen Schlaf und Gedächtnis entdeckt. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die Leistung des Arbeitsgedächtnisses unter Schlafmangel leidet.  Das Arbeitsgedächtnis ist wichtig, weil es die Informationen für die Weiterverarbeitung aktiv hält und damit einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Entscheidungsfindung leistet. Die regenerative Hypothese besagt, dass Schlaf schlichtweg der Erholung der Organe dient. Dafür spricht, dass nach dem Schlaf viele Körperfunktionen besser in Gang kommen als nach einer langen Wachphase.

Die durchschnittliche Schlafdauer beträgt seit ca. 100 Jahren 6,5 bis 6,8 Stunden – zu wenig. Im Berufsalltag sind besonders Schichtarbeiter von chronischem Schlafentzug betroffen. Auch häufige Auslandreisen verbunden mit Jetlag, hoher Arbeits- und Termindruck und eine fast 24-stündige Erreichbarkeit sorgen für ein ausgeprägtes Schlafdefizit. Dies führt zu Stresssymptomen, Rückenschmerzen und der Gefahr von Burnout. Schlafmangel und unerholsamer, schlechter Schlaf nehmen in unserer stressigen Gesellschaft ständig zu. Es wird geschätzt, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung in Industriestaaten unter chronischem Schlafmangel leidet.

Schlafstörungen als Schlafräuber 

Schlafstörungen werden nicht ernst genommen – dabei kann gestörter Schlaf und geringe Schlafqualität gesundheitliche Folgen haben und die Leistungsfähigkeit und Erholung erheblich verringern. Auch wenn es kein einheitliches Krankheitsbild gibt, kann man Schlafstörungen grob in vier Gruppen einteilen: Insomnie (Ein- und Durchschlafstörungen), Hypersomnie (übermäßige Tagesschläfrigkeit), Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus (z.B. durch Jet-lag oder Schichtarbeit) sowie Parasomnie. Bei letzterer Form handelt es sich um schlafgebundene Störungen wie Schlafwandeln, Zähneknirschen oder Alpträume. Die Gründe für Schlafstörungen sind genauso vielfältig wie die Krankheitsbilder. So kommen seelische Probleme ebenso als Ursache in Frage wie unregelmäßige Schlafenszeiten und zu schweres Essen. Auch Überreizung durch zu langes Fernsehen oder zu hartes Arbeiten, übermäßiger Alkohol- und Koffeingenuss und schlechte Schlafbedingungen (z.B. Lärm, schlechte Luft) können einem den Schlaf rauben.

Was passiert eigentlich, wenn ich schlafe? 

Der Schlaf verläuft in unterschiedlichen Phasen. Mit dem Einschlafen gehen Puls, Atemfrequenz und Blutdruck zurück, die Gehirnaktivität verändert sich. Im leichten Schlaf, kurz nach dem Einschlafen, wird die Muskelspannung reduziert und das bewusste Wahrnehmen der Umgebung entschwindet langsam. Die 2. Phase wird im Laufe eines 8-Stunden-Schlafes zunehmend länger und nimmt mehr als 50. Prozent des Gesamtschlafes ein. Beim Übergang in den Tiefschlaf nimmt die Muskelspannung weiter ab. Im Tiefschlaf, der tiefsten Schlafphase, lassen sich die meisten Schlafenden am wenigsten wecken. Phänomene wie Schlafwandeln und Sprechen im Schlaf treten auf. Der REM-Schlaf (engl: rapid eye movement), auch Traumschlaf genannt, unterscheidet sich von den anderen Schlafstadien. Er ähnelt der 1. Phase, es kommt jedoch in regelmäßigen Abständen zu schnellen, richtungslosen Bewegungen des Augapfels. Das Stresshormon Adrenalin wird in dieser Phase vermehrt ausgeschüttet und die Magen- und Zwölffingerdarmaktivität steigt. Föten und Neugeborene verbringen fast die gesamte Schlafdauer im REM-Schlaf. Es scheint somit ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem REM-Schlaf und der Reifung des ZNS zu bestehen. Ist der Schlafzyklus mit allen Phasen beendet, beginnt ein neuer Zyklus, wobei nicht immer alle Phasen gleichlang sind. Insgesamt wird der Schlafzyklus 5-7 Mal durchlaufen. In der ersten Nachthälfte überwiegt der Tiefschlaf, in der zweiten der Traumschlaf.

Erhöhung der Schlafqualität

Wichtig für einen gesunden, erholsamen Schlaf sind die äußeren Bedingungen. Neben einer ruhigen Umgebung sind abgedunkelte Räume und angemessene Liegemöglichkeiten notwendig. Am Abend sollte eine leichte Mahlzeit genossen werden. Schwere Mahlzeiten aktivieren die Verdauung und stören den Schlaf. Stimulanzien wie Kaffee, Tee, Nikotin und Alkohol stören den Schlafrhythmus nachhaltig und sollten vor dem Zubettgehen vermieden werden. Jeden Tag zur selben Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen hilft dem Körper außerdem, sich auf einen regelmäßigen Wach-Schlafrhythmus einzustellen. Auch ein Einschlafritual z.B. eine Tasse Tee trinken oder ein paar Seiten lesen hilft, sich auf das Einschlafen vorzubereiten.

Analyse der Schlafqualität durch die 24 h HRV-Messung

Die 24 h HRV-Messung, die auch in der Nacht durchgeführt wird, zeigt Ihren Schlafrhythmus (man erkennt die Anzahl und Dauer der Schlafzyklen und –phasen) und Ihre Schlafqualität. Fragen wie „Wie gut erhole ich mich im Schlaf?“, „Schlafe ich zu wenig?“ oder „Wie kann ich meinen Schlaf optimieren?“ können in einem 4-Augen Feedback mit einem/r unserer AUTONOM TALENT®-Coaches beantwortet werden.