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QiGong und Herzratenvariabilität (HRV) – eine Lebensphilosophie in die Praxis umgesetzt

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Sowohl die HRV als auch QiGong sind naturwissenschaftlich fundierte Beobachtungen der Zusammenhänge von “Anspannung – Symphatikus – JING” und “Entspannung – Parasymphatikus – SONG”. Dieses Zusammenspiel oder auch die Regulierung dieser beiden Zustände sind entscheidend für eine umfassende, gesamtheitliche Gesundheit. Bei der HRV wird das wechselseitige Wirken von Sympathikus und Parasymphatikus auf den Herzrhythmus dargestellt und damit eine präzise Darstellung  der Gesamtvitalität des Menschen erreicht. Im QiGong wird durch das Üben von einfachen Bewegungsabläufen das Wechselspiel von “Anspannung – JING” und “Entspannung – SONG” erlernt und damit eine bewusste Körperwahrnehmung gefördert. Mit zunehmender Übungspraxis stellt sich ein Zustand der “Mittigkeit” ein, dies bedeutet, dass unser Körper sowohl im Sinne von Symmetrie, Haltung und Festigkeit wieder in seine ursprüngliche Mitte kommt und dass wir ein ganz bestimmtes freudvolles Gefühl dieser “Mittigkeit” erlangen.

Der Begriff QiGong ist ein Kunstbegriff der neueren Zeit und wurde 1956 erfunden, um alle damals in China bekannten und geübten Formen zu vereinen. QiGong teilt sich in zwei Silben, die erste Qi steht für Lebensenergie und der zweite Teil Gong (Abkürzung für Gongfu) was Zeitaufwand, Mühe, Anstrengung und Arbeit im weiteren Sinn bedeutet.

QiGong schenkt dem Übenden die Möglichkeit, seinen Geist, seine Emotionen und Gefühle mit dem Körper zu vereinen. Dieser Aspekt macht QiGong für uns westlich orientierte Menschen besonders wertvoll, weil in den letzten Jahrhunderten eine einseitige Betonung der Ratio in unserer Kultur überhandgenommen hat und damit immer mehr der Bezug zum einheitlichen Ganzen unseres Menschseins verloren gegangen ist. QiGong ist eine sanfte Methode, die uns unterstützt ganzheitliche Mittigkeit, psychische Harmonisierung, Selbsterkenntnis und Bewusstseinserweiterung bis hin zur Spiritualität zu erlangen. QiGong konnte sich auch deshalb etablieren, weil im östlichen Denken eine andere als die abendländische Sichtweise, nämlich die polare, integrierende Sicht aller Phänomene der Welt, mehr Bedeutung hat, als die im Westen vorherrschende dualistische, oft wertende und damit auch einengende Weltsicht. Die Trennung von Geist, Gefühlen und Körper, wie im Westen seit Descartes (auch Cartesius genannt, der folgenden bekannten Satz geprägt hat „Cogito, ergo sum“, übersetzt mit: „Ich denke, daher bin ich“. in Teil IV von „Discourse on the Method“, 1637) vorherrschend, hat im Osten nie in diesem Ausmaß stattgefunden. QiGong baut darauf auf, dass eine unmittelbare wechselseitige Beeinflussung von Körper, Psyche und Geist ständig wirkt.

QiGong unterstützt diese Einheit von Körper, Psyche und Geist durch Üben, Erfahren und Erkennen. Viele Richtungen und Methoden sind in den 5.000 Jahren entstanden seit es nachweisliche Aufzeichnungen von QiGong gibt. In der QiGong Übungspraxis gibt es drei wesentliche Aspekte zur Wiedererlangung des Gefühls der Mittigkeit:

TIAO SHEN   Harmonisierung des Körpers
TIAO XI         Harmonisierung der Atmung
TIAO XIN      Harmonisierung des Herzens und Geistes

Durch das Erlernen von speziellen QiGong-Bewegungsabläufen Form fällt auf, dass – im Vergleich zu Gymnastik oder anderen sportlichen Betätigungen – alle Bewegungen des QiGong äußerst langsam, ruhig und meditativ ausgeführt werden. Dies steht in einem deutlichen Gegensatz zum heute üblichen, alltäglichen Bewegungsverhalten, das in der Regel schnell, zielgerichtet und erfolgsorientiert zu sein hat.

Durch die Übungen können wir klar erkennen, dass wir mit „guten“ aber auch mit „schlechten“ körperlichen Haltungs- und Bewegungsmöglichkeiten gelebt, dass wir vielleicht lange Zeit einseitig und falsch belastet haben, wodurch Blockaden und Schmerzen entstanden sind. All dies zeigt, dass wir uns dadurch nicht mehr in unserer körperlichen Mitte befinden. Durch QiGong wird eine Regulierung und im weiteren Verlauf eine Harmonisierung unseres Körpers erreicht. Der Weg dorthin ist dadurch gekennzeichnet, dass

• wir wieder mehr Freude verspüren, unseren Körper zu bewegen,
• unsere Wirbelsäule im Stehen, Gehen und Liegen aufgerichtet wird,
• wir durch die Übungen nach und nach unseren gesamten Körper wieder aufrichten,
• wir die Fähigkeit und Fertigkeit zurückerlangen, unsere Wirbelsäule und unsere Gelenke in jeder Richtung problemlos zu bewegen.

Unser Körper kommt sowohl im Sinne von Symmetrie, Haltung und Festigkeit wieder in seine ursprüngliche Mitte und wir erlangen ein ganz bestimmtes, freudvolles Gefühl der Mittigkeit. Das Gefühl der körperlichen Mittigkeit erstreckt sich im weiteren Verlauf der Übungspraxis mehr und mehr auch auf unsere Psyche und unseren geistig-mentalen Bereich.

QiGong ist ein Weg zur Schulung und Entfaltung unseres Selbst, ein ganzheitlicher Lebensweg, der Körper, Psyche und Geist in Achtsamkeit vereint. Dieser Lebensweg wird von chinesischen QiGong-Meistern mit Wandlung zum Zhenren bezeichnet, mit dem „Weg zum wahren Menschen“.

Dieser Artikel wurde auszugsweise aus dem Buch „Im Fluss des Lebens – Der Entwicklungsweg im QiGong” zitiert. Dr. Gerhard Wenzel, Mag. Norbert Herwegh

Weitere Information: www.qigonggesellschaft.at
Zum näher Kennenlernen: Österreichische QiGong Tage Goldegg 16. – 18. Mai 2014
Oder Schreiben Sie an: Peter.Simak@autonomtalent.com