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Konflikt zwischen Arbeit und Familie – Teil 1

Aufgrund der starken Veränderungen in der Erwerbsarbeit und im Familienleben in den letzten Jahrzehnten, nahm das Forschungsinteresse im Bezug auf die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben rasant zu. Insbesondere wurde der Konflikt zwischen Arbeit und Familie (Arbeits-Familien-Konflikt) stärker untersucht.

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Arbeits-Familien-Konflikt wird in der internationalen Forschungs-literatur definiert als eine Form des Rollenkonflikts, bei dem die Rollenanforderungen an eine Person aus ihrem Berufs- und ihrem Familienbereich nicht miteinander vereinbar sind.
Dieser Rollenkonflikt wird in zwei Wirkungsrichtungen und in drei Formen unterschieden.
Die zwei Richtungen des Konflikts werden

  • in einen Konflikt von Arbeit zu Familie und
  • in einen Konflikt von Familie zu Arbeit unterteilt.

Während der Konflikt von Arbeit zu Familie bedeutet, dass Anforderungen im Arbeitsleben einer Person ihr Familienleben negativ beeinflussen, ist unter dem Konflikt von Familie zu Arbeit zu verstehen, dass Anforderungen im Familienleben einer Person negativ auf ihr Arbeitsleben wirken.

Die drei Formen des Arbeits-Familien-Konflikts werden in einen zeitbasierten, belastungsbasierten und verhaltensbasierten Konflikt unterschieden.

  • Unter dem zeitbasierten Arbeits-Familien-Konflikt ist zu verstehen, dass die Zeit, die eine Person in ihre jeweilige Rolle in der Arbeit oder der Familie investiert, zu Schwierigkeiten führt, an der jeweils anderen Rolle teilzunehmen.
  • Der belastungsbasierte Arbeits-Familien-Konflikt bedeutet, dass bei einer Person die Belastung, die für sie aus ihrer jeweiligen Rolle in der Arbeit oder der Familie resultiert, zu Problemen führt, den Leistungsanforderungen in der jeweils anderen Rolle gerecht zu werden (entsprechende Beanspruchungen sind z.B. Angst, Anspannung, Ermüdung oder Depression).
  • Unter dem verhaltensbasierten Arbeits-Familien-Konflikt ist schließlich zu verstehen, dass bei einer Person das Verhalten, das von ihr in ihrer jeweiligen Rolle in der Arbeit oder der Familie verlangt wird, zu Schwierigkeiten führt, die Verhaltenserwartungen in der jeweils anderen Rolle zu erfüllen (z.B. bei Umstellungsproblemen von Verhaltensweisen eines Managers auf das Verhalten eines Familienvaters).

Bei den Arten von Ursachen, handelt es sich um verschiedene Belastungen und Ressourcen aus dem Arbeits- und dem Familienleben, aber auch um Persönlichkeitsmerkmale.
Unter Belastungen in der Arbeit werden physiologische, psychologische, soziale oder organisationale Aspekte der Arbeit verstanden, die anhaltende physische und/oder psychische Anstrengung oder Fähigkeiten erfordern und daher mit bestimmten physischen und/oder psychischen Kosten verbunden sind. Bezüglich dieser Belastungen werden im Allgemeinen positive Zusammenhänge mit dem Arbeits-Familien-Konflikt sowie mit seinen beiden Richtungen und Formen berichtet. So wurden in früheren Forschungsstudien insbesondere Hinweise darauf gefunden, dass eine qualitative und quantitative Überlastung von MitarbeiterInnen (d.h. eine Überlastung mit zu komplexen und zu vielen Aufgaben in der beruflichen Tätigkeit) negative Auswirkungen der Arbeit auf das Familienleben begünstigen.

Unter Ressourcen in der Arbeit sind physiologische, psychologische, soziale oder organisationale Aspekte der Arbeit zu verstehen, die entweder zweckmäßig für das Erreichen von Arbeitszielen sind, die Arbeitsbelastungen und die damit verbundenen physischen und psychischen Kosten reduzieren oder die das persönliche Wachstum, Lernen und Entwicklung stimulieren. In Bezug auf diese Ressourcen werden meist negative Zusammenhänge mit dem Arbeits-Familien-Konflikt sowie mit seinen beiden Richtungen und drei Formen berichtet. So wurde gefunden, dass Autonomie in der Arbeit (d.h. Handlungsspielräume) und soziale Unterstützung durch Vorgesetzte (d.h. praktische Hilfe, Informationsweitergabe und emotionaler Rückhalt durch Vorgesetzte) negative Auswirkungen der Arbeit auf das Familienleben abschwächen.
Lesen Sie im nächsten Newsletter Details zum Einfluss von Persönlichkeitsmerkmalen auf den Konflikt zwischen Berufs- und Familienleben sowie zur Studie, mit der diese Ursachen im Rahmen der Diplomarbeit untersucht wurden.

Quelle: "Der Einfluss von Arbeitsbedingungen und zentralen Selbstbewertungen auf das Erleben von Arbeits-Familien-Konflikt" (Diplomarbeit Claudia Kirschner, 2013)