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Bungee-Seil statt Ritterrüstung – Flexibilität als Burnout-Prophylaxe

Im Rahmen des diesjährigen Personalwirtschaftsforums (POP) beeindruckte Jochen Wenderoth (Personalverantwortlicher, Unilever Austria) mit seinem Vortrag zur Resilienzförderung bei Unilever.

Resilienz (von lateinisch resilire ‚zurückspringen‘, ‚abprallen‘, deutsch etwa Widerstandsfähigkeit) beschreibt die Toleranz eines Systems (zB. einer Organisation oder eines Individuums) gegenüber Störungen. Ein anschauliches Beispiel für Resilienz im engeren Sinn ist die Fähigkeit von Stehaufmännchen. Ähnlich wie das Spiel mit dem Stehaufmännchen ist auch Bungee Jumping: das Bungee-Seil als Symbol, ein Katalysator, der MitarbeiterInnen hilft, in Krisen wieder nach oben zu kommen.

Wenderoth hebt hervor, dass es eben darauf ankommt, dass Personen nach gesundheitlichen, familiären, beruflichen oder finanziellen Belastungssituationen sich nicht nur sich ausreichend regenerieren, sondern auch gestärkt daraus hervorgehen sollten. Die Rolle des Unternehms ist es, Rahmenbedingungen (wie Vorträge, Workshops, Coachings oder eine dementsprechende Unternehmens- und Führungskultur) bereit zu stellen, die es den MitarbeiterInnen ermöglichen, seine/ihre Resilienz-fördernden Ressourcen zu aktivieren und resilientes Verhalten eigenverantwortlich zu lernen. Ziel ist es, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sich Organisationen und MitarbeiterInnen in Krisensituationen resilient (widerstandsfähiger) verhalten. Dass es bei Resilienz gerade um dieses widerstandsfähige, flexible Bungee-Seil geht und nicht um eine Ritterrüstung soll folgendes Beispiel zeigen:

Unter einer Straßenlaterne steht ein Mann und sucht und sucht. Nach ca. einer Stunde kommt ein Polizist vorbei und fragt den Mann, was er denn verloren habe. Dieser antwortet: „ Meinen Schlüssel“. Nun suchen beide. Nach weiteren ca. 15 Minuten erfolgloser Suche will der Polizist wissen, ob der Mann sicher sei, dass er den Schlüssel gerade hier verloren habe und dieser antwortet: „Nein, nicht hier, sondern dort hinten – aber dort ist´s zum Suchen viel zu dunkel.“

Absurd? Ja! Aber genau so verhalten wir uns häufig: Einmal liebgewonne Anpassungsstrategien werden nur schwer und ungern verändert. Watzlawick beschreibt diese Phänomen als eine der beliebtesten Bewältigungsstrategien der Menschheit: Das sture Festhalten an Lösungen, die einmal gute Dienste geleistet haben.

Das Problem dabei ist, dass wir uns diese Bewältigungsstrategien beibehalten, während sich aber die Umstände immer schneller ändern. Die sture Anwendung dieser vermeintlich Einzigen – wenngleich veralterden – Strategie dazu führt, dass die Lösungsversuche immer frustrierender werden, weil sie zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis mehr führen. Der steigende Leidensdruck führt zu noch stärkerem Bewältigungshandeln mit der immer gleichen „Lösung“. Immer mehr vom gleichen „Schlechten“, was letztendlich zum Ende von psychischen und physischen Kräften und zu gesundheitsgefährdenden Belastungen führt.

Das Modell des Festhaltens an einmal entwickelten Anpassungs- und Lösungsstrategien mit Blindheit der aktuellen Umstände und ohne ernsthafter Suche nach neuen Ideen, stellt das Gegenteil von Flexibilität, einer „Kernkompetenz“ resilienter Menschen dar.

Eng im Zusammenhang mit der Resilienzforschung steht auch das Salutogenese-Konzept. Details dazu hier.